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Altmarkt

© 2009 D. Grünler, Plauen

Es ist Wahlkampfzeit. In Kürze haben wir die Landtagswahlen und nicht viel später stehen Bundestagswahlen an. Und es gibt ein großes Problem. Zu allen Wahlen, die in letzter Zeit stattgefunden haben, gab es deutlich zu wenig Wahlbeteiligung. Das ist soweit noch nicht verwerflich, bringt jedoch ein Ungleichgewicht in das Wahlendergebnis, da zwei Drittel der Bevölkerung einem Drittel überlassen, zu entscheiden, wie 100% regiert werden sollen. Das kann nicht repräsentativ sein und das merkt man dann auch deutlich an der Stimmung in der Bevölkerung.

Und das geht auch an den Politikern in Berlin und Dresden nicht spurlos vorüber. Zumal der 20. Jahrestag der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR ins Haus steht und genau da hatte im Vorfeld „Der Spiegel“ Salz in die Wunde gestreut und ein Jahrzehnte altes Missverständnis zum Thema gemacht und somit einen kleinen Schritt unternommen hat, die deutsch-deutsche Geschichte gerade zu rücken. Es geht um den Fakt, dass die allererste Demonstration auf dem Territorium der ehemaligen DDR eben nicht in Leipzig oder Dresden stattgefunden hat, sondern nachweislich in Plauen und das mit zehntausenden Teilnehmern. Und eben diese friedliche Demonstration (friedlich seitens der Demonstranten) war der Signalschuß für alle anderen Städte in der DDR, wenn es hier gekracht hätte, wären wohl sicher weder in Leipzig noch in Dresden etc. irgendwelche Demonstrationen durchgeführt worden.

Nun haben die Strategen im fernen Berlin Denkmäler für diese Revolution für Berlin (!!!) und Leipzig vorgesehen, welche mit Millionen Steuergeldern dort aufgestellt werden sollen, Plauen in der Provinz schaut in die Tonne und man darf selber die Bürger um Spenden anbetteln um nicht ganz doof dazustehen. Die Organisatoren und die Bürger bekommen sich in die Haare, weil man Kungeleien vermutet und weil Vorschläge zur Wahl stehen, die, gelinde gesagt, einem Denkmal nicht würdig sind. Diese Diskussionen gibt es interessanter Weise fast genauso in Leipzig wie auch in Berlin.

Um auf den Punkt zu kommen, sämtliche Diskussionen und Aktionen dringen dank Bundestagsabgeordneter auch bis zur Kanzlerin und zu den Parteivorständen durch und siehe da, das lässt sich doch ganz hervorragend für den Wahlkampf ausschlachten. Plötzlich geben sich die hohen Herrschaften aus Berlin hier in Plauen die Klinke in die Hand, ebenso die halbhohen aus Dresden. Da läuft man aus Versehen die Claudia Roth von den Grünen auf dem Klostermarkt fast über den Haufen, da kommen die Herren Pofalla und auch Tillich, der Herr Westerwelle war auch schon da und es kommen bestimmt noch etliche mehr und eben auch unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Sie läßt für einen Tag Plauen zum Mittelpunkt aufsteigen. Glanz in der Hütte, wo vorher keiner war. Da wird der Altmarkt aufpoliert, tollste Bühnentechnik und Beleuchtung montiert. Auch der Ausrichter aller Stadtfeste ist natürlich wieder mit unzähligen Schankwagen zugegen, hätte mich auch gewundert, wenn es einmal ohne Sternquell gegangen wäre!!!

Es wurde das Gebiet weiträumig sogar für Anlieger und Händler abgeriegelt, Umsatzeinbußen wurden in Kauf genommen. Soviel Polizei wie nie war präsent – soviel kann gern sonst auch für Ordnung in Plauen sorgen! Man kam sich vor, wie zu Ostzeiten, als auch Fassaden wie Kulissen für die DDR-Oberen saniert wurden, nur weil da mal einer durch die Straße durchfährt und dann soll es ja schön aussehen. Das hier war nichts anderes. Frau Merkel und Kollegen wurde nur ein geschönter Abklatsch vorgeführt, anstatt zu zeigen, wie es wirklich ist. Manche Leute lernen eben nie, wie man sich mit sowas ins eigene Fleisch schneidet.

Die peinliche Rede des Herrn Tillich mit dem faux pas, dass wir im Vogtland stolz wären endlich „V“ am Kennzeichen zu haben, lasse ich mal unkommentiert, der gute Mann hat sich selber mit seinem Gerede ins Abseits gestellt, wie die Kanzlerin selbst bemerkte, gibt’s da noch Lernbedarf beim Ministerpräsidenten. Als Altenative schlage ich vor, den guten Mann besser auszutauschen. Egal.

Angela Merkel

© 2009 D. Grünler, Plauen

Frau Merkel hat eine durchaus bemerkenswerte und sympathische Rede gehalten. Da wurden auch private Themen (Fischessen im Alten Handelshaus, Ex-Mann aus Cossengrün usw.) angesprochen und Sie reagierte schlagfertig auf Zwischenrufer und Plakate. Das alles täuscht aber nicht darüber hinweg, dass Sie in der falschen Partei ist und dass mit Ihrer Abreise auch alles wieder vergessen ist. Konkrete Zusagen und Programme fehlten, woran man nach einer Wahl ablesen kann, was wirklich von den Versprechen umgesetzt wird. Die wirklich sehr sympathische Kanzlerin hat somit wirklich ein Problem. Jemanden ohne konkreten Standpunkt zu wählen fällt schwer. Und damit eine höhere Wahlbeteiligung anzuregen, wird sicher nicht gelingen. Zumal die Kandidaten für die kommende Landtagswahl sich lesen, wie ein Wahlzettel zur nationalen Front in der DDR. Einzig ein Herr Liebscher (ein zugereister Wessi) steht somit als echte Wahlalternative zur Verfügung, denn extremistische Parteien wählt der gesunde Menschenverstand definitiv nicht, auch wenn manche Vertreter dieser Parteien soviel Wahlwerbung aufhängen, als würden die die einzige zur Wahl stehende Partei wären.

Alles das, was ich gesehen und gehört habe (leider nicht persönlich vor Ort, dafür aber als Videoaufzeichnung), war typisch für „dem Volk Honig ums Maul schmieren“. Wir Plauener durften uns geehrt fühlen, einmal die amtierende Kanzlerin zu Gast zu haben. Und weil es so schön war, dürfen wir jetzt für CDU und deren Vertreter stimmen. NEIN!

Lassen wir uns nicht blenden und einlullen. Vergleichen wir genau, welche Parteien für welche Inhalte stehen, welche Kandidaten was geleistet haben. Gehen wir zur Wahl bzw. machen Briefwahl, um wenigstens einen Grund für diesen Wahlkampf – die mangelnde Teilnahme – aus der Welt zu schaffen. Aber machen wir es den regierenden Politikern und Parteien schwer. Seien wir kritisch!

Den am Wahltag stehen die Wähler, also wir, einen Tag im Mittelpunkt.

Am gestrigen Abend wurde öffentlich über das Vorhaben „Wendedenkmal“ im Erdgeschoss der Stadtgalerie diskutiert. Was sofort aufgefallen ist, war die sehr geringe Teilnahme der Plauener Bürger. Eine eher schlecht besuchte Veranstaltung, welche damit aufgezeigt hat, dass die Plauener eher sehr skeptisch diesem Projekt gegenüber stehen. Anders sehen dies die Initiatoren des gewünschten Denkmals, denn jene haben sehr vollmundig die Wichtigkeit des Denkmals betont. Immer und immer wieder wurde darauf verwiesen, dass Plauen die Stadt gewesen war, welche als „Erste“ demonstrierte. Da Berlin nun ein Denkmal mit 10 Millionen Förderung bekommt und Leipzig Eines für 5 Millionen – müsse man in Plauen auch ein Denkmal haben, auch wenn dieses keine Förderung bekommt. Und immer wieder wird auf der Tatsache herumgeritten, dass man als „Erste“ auf die Strasse gegangen war. Man fühle sich vergessen von den Geschichtsschreibern … und und und. Mein Verdacht, dass man hier ein sehr peinliches Vorhaben startet wurde gestern Abend bestätigt. Die Initiatoren wollen auf den Rücken der Plauener Bürger nach außen hin glänzen und sich nur sehr „wichtig“ machen. Die Zeichen, dass es genauso wird steht mit Hilfe der ansesigen Service-Clubs ganz gut. Man hat auch extra den Zeitzeugen Sigmar Wolf in die Runde hinzu gesetzt um ganz auf „Nummer sicher“ zu gehen. Dieser hatte damals als „Erster“ sein selbstgebautes Transparent ausgerollt – . Ein Vertreter eines Service-Clubs überreichte dann auch einen Scheck zum gegebenen Anlass und verglich dann auch das gewünschte Denkmal mit dem Völkerschlachtdenkmal. Er konnte für ca. eine Minute  vor den Fotografen der Presse glänzen und wurde dann überboten mit einem noch größeren Scheck des Betreibers der Stadtgalerie Plauen. Sehr schön war die Frage eine Dame an die Initiatoren, ob denn Plauen noch ein weiteres Denkmal benötige. Immerhin ist vor dem Rathaus ja schon eine Gedenkplatte in die Straße eingelassen auf der steht: „Wir sind das Volk“. Sie empfinde es nicht für wichtig jetzt noch ein weiteres Denkmal zu bauen. Noch eine andere Dame nutze die Gelegenheit um den Initiatoren zu sagen, dass jetzt nach der Wende für viele Bürger die Freiheit in der Arbeitslosigkeit und Hartz IV geendet hat. Das wollten die Initiatoren aber nicht so recht wissen wollen, denn es ginge um dieses „als Erstes….“ . Im Prinzip eine peinliche Angelegenheit für Plauen und meiner Meinung nach schon fast moralisch verwerflich. Die Plauener selber schmunzeln gern ab und an, weil sie vergessen worden sind in den Geschichtsbüchern, aber sie wollen sich mit Sicherheit nicht so wichtig blasen, wie es jetzt auf den Rücken der Plauener Bürger versucht wird. Mit der Grundsteinlegung dieses „Wendedenkmals“ legen die Initiatoren auch jede Menge Zündstoff zu heißen Diskussionen unter der Bevölkerung. Dass die friedliche Revolution keine Sportveranstaltung war weis jeder Plauner. Das Plauen mit als eine der ersten Städte öffentlich demonstrierte weiss man auch. Dies war aber nicht der einzige Grund für den Fall der Mauer. Dazu muss man schon etwas genauer sich mit der gesamten Geschichte auseinander setzen. Dass man eben dies nicht getan hat zeigen die Exponate auf, welche zur Auswahl den Plauener Bürgern vorgesezt wurden. Auf einem Exponat stand denn auch gleich mal der falsche Spruch – nämlich der Wahlspruch der CDU „Wir sind ein Volk“ und nicht der Spruch „Wir sind DAS Volk“. Auf einem weiteren steht nur „Wir wollen Reisefreiheit“ …. peinlich. Über die Formschönheit eines Denkmals lässt sich ja bekanntlich gern streiten. Dies darf man auch. Allerdings sollte die Geschichte schon richtig geschrieben sein und in diesem Fall scheint diese keine wirkliche Beachtung gefunden zu haben ….. denn …. es geht den Initiatoren um dieses „Wir waren die Ersten….“ und natürlich um sehr viel Eitelkeit und Selbstgefälligkeit.

das alte kaufhaus zum amt umbauen mag an sich eine lösung sein. keine sehr gute, aber eine lösung die aus vielen unsinnig vorhergegangen entscheidungen zur stadtplanung relativ gut gewählt scheint. die sache mit dem parkdeck jedoch nicht. der sachsendruck ist sicher kein schönes gelände was so vor sich hin modert. aber dort ein parkdeck um die parkplätze für das amt zu sichern…. ohoh. wenn 500 – 1000 leute plus derer die das amt aufsuchen wollen parken möchten müssen diese ja auch erst einmal dahin fahren und dies über die sehr engen und kleinen strassen der umgebung dort. forst- rädel- und stresemannstrasse ….. einbahnstrassen und für eine hohe frequentierung eigentlich nicht gut geeignet. wenn man mal bedenkt, dass vor vielen jahren angefangen wurde die innenstadt vom lästigen pkw-verkehr frei zu bekommen wird hier nicht nur ein grosser fehler begangen sondern ein komplett andere innenstadtplanung angefangen. ein planung mit fragwürdigem ausgang. viele plauener kennen ja noch die bahnhofstrasse, als diese befahrbar war. dies wird auch wieder so werden, wenn sich nämlich herausstellen wird, dass nur die bahnhofstrasse das verkehrsaufkommen schaffen kann, was die kleinen strassen nebenher nicht schaffen können. im moment mag man sich über fördermittel freuen und auch mit so schwammigen argumenten wie grössere verkaufszahlen im handel etwas gute hoffnung machen können. am ende dann doch die erschreckende realität, denn es fehlt wie immer am weitblick und am mut sich auch einmal können. natürlich könnte man auf das parkdeck verzichten, wenn man den mumm dazu hätte. dazu müsste man aber verlangen, dass die strassenbahn genutz bzw. genutzt wird. also ausserhalb parken und dann bis zum arbeitsplatz eben mit der bimmelbahn, denn die innenstadt wird somit nicht mit schadstoff und pkw verkehr belastet. im übrigen wurde das konzept die innenstadt vom pkw zu entlasten verfolgt – nicht immer ohne dem murren des bürgers. aber mit vernuft kann man das ertragen, weil es richtig war die innenstadt zu entlasten. nun wird kehrt gemacht in die komplett andre richtung. eigentlich unlogisch und auch hier wieder die frage an sich, warum man das alte kaufhaus unbedingt als amt umbauen will. tja, hätte man die innenstadt begrünt gelassen und die gelerie im alten kaufhaus untergebracht gäbe es diese diskussion jetzt nicht. okay…ist gegessen, denn das ding steht nun da, wo einstmals eine richtig schöne innenstadtfläche war. man kann auch wirtschaft machen ohne gutes zu zerstören …. in paluen ist damit aber niemand zu begeistern. die plauener wollten es ja so.
wer mit dem argument kommt, dass nix besseres in aussicht war als immobilie für das amt sollte sich einmal das objekt in der weststrasse ansehen. der alte betriebszweig der plauener spitze / weststrasse ist wie geschaffen für das landratsamt. die grösse passt und es hätte mehrere anfahrtmöglichkeiten plus allem drum und dran. natürlich kenne ich jetzt nicht alle details in sachen besitz usw usw. aber der ansatz ist der richtige, wenn man dieses amt unbedingt in der innenstadt haben möchte. besser wäre natürlich das amt an den stadtrand zu verlegen wie man es ja schon mit dem behördenzentrum getan hat. ich hätte im übrigen lieber eine strassenbahnhaltestelle dort gesehen als vor dem rathaus.

wo ein wirklicher wille ist auch ein guter weg. leider nicht in plauen!!

Seit geraumer Zeit engagieren sich die Plauener Serviceclubs für die Errichtung eines so genannten „Wendedenkmals“ zur Friedlichen Revolution 1989, die zum Teil mit der ersten Großdemonstration am 7. Oktober des Jahres in Plauen ihren Anfang nahm. (Dabei ist die Bezeichnung „Wendedenkmal“ historisch falsch. Egon Krenz prägte nach seiner Wahl zum Nachfolger Erich Honeckers den Begriff „Wende“, womit er lediglich eine neue „politische und ideologische Offensive“ der SED beschrieb und keineswegs den totalen Umbruch in der DDR.)

Natürlich ist es nicht abwägig zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution den Grundstein für ein Denkmal in Plauen zu legen. Mitte Mai 2009 wurde ein Kolloquium einberufen und beschlossen, dass Plauener Künstler innerhalb eines Monats Entwürfe entwickeln sollen. Eine Fachjury wählte zwei Favoriten aus, eine Ausstellung im Rathausfoyer wurde initiiert. Dabei wurde spürbar, dass die Künstlervorschläge auf wenig Gegenliebe stoßen, zu unklar die Aussagen. Ein Finalistenentwurf stellt sich mit dem Spruch „Wir sind ein Volk“ dar, dabei war der wirkliche Spruch der Plauener im Herbst 1989 „Wir sind das Volk“. Das Vorhaben wird für einige Plauener fragwürdig.

Viele Plauener fühlen sich mittlerweile übergangen. Fleißig spenden sollen sie, aber mitbestimmen dürfen sie bis jetzt noch nicht. Deshalb finde ich es positiv, dass die Initiatoren um Wolfgang Sachs das Verfahren überdenken. Sicherlich ist eine Fachjury nötig, um die Qualität der künstlerischen Entwürfe zu prüfen. Trotzdem lebt Demokratie davon, dass Entscheidungen auch von einer Basis getragen werden. Der „einfache“ Bürger darf nicht außen vor bleiben.

Die Mitbestimmung ist wichtig und nötig, damit Plauen am Ende nicht ein Denkmal bekommt, mit dem sich die Mehrheit der Bevölkerung kaum identifizieren kann. Deshalb sollte nach einer entsprechenden Vorauswahl einer Jury eine Abstimmung stattfinden. Jeder Interessierte könnte innerhalb eines gewissen Zeitraums den Weg ins Rathaus auf sich nehmen und seine Stimme abgeben. Sollten die künstlerischen Vorschläge durch die Bank weg abgelehnt werden, dann müssen die Künstler eben noch einmal ihre Entwürfe überarbeiten.

Die Friedliche Revolution 1989 war eine Revolution einer breiten Mehrheit und nicht die Revolution irgendeiner Gruppierung. Folglich sollte dieses Denkmal ein Bürgerdenkmal sein, das in klarer Form jenes zum Ausdruck bringt, was sich im Herbst 1989 auf den Straßen Plauens ereignete.

Am Anfang steht immer ein Gedanke -

Wenn man die lokale Presse liesst – so vermittelt diese den Eindruck, dass es um eine gute Tat ginge. Eine gute Tat und grosse Geste. Die Bürger der Stadt Plauen würden bald ein Wende-Denkmal bestaunen dürfen. Ein Andenken an die friedliche Revolution von 1989 – damals – als die Bürger auf die Strasse gingen und für eine bessere Zufunkt demonstrierten. Der Grundgedanke war vielleicht wirklich edler Natur. Ein Denkmal für Plauen. Die Stadt welche eigentlich nie so richtig Erwähnung fand. Lepzig, Dresden oder Berlin waren die Heldenstädte der Medien – aber Plauen war eben nur Plauen. Die kleine Stadt da an der Grenze zu Bayern. Ungeeignet als Symbol für die deutsche Medienberichterstattung. Erst nach Jahren wird, meist in Nebensätzen, von Plauen erzählt. Dabei waren es gerade die Plauener Bürger die als Erstes den Weg auf die Strasse fanden und demonstrierten.

Die Plauener gingen für ein grosses Ideal auf die Strasse – Sie standen vor ihrem Rathaus und demonstrierten. Jeder der damals mit dabei war kann sich nur zu gut an die grosse Angst erinnern. Standen den Demonstranten doch die Armee, Kampftruppen am Theater gegenüber und Polizisten knüppelten die Demonstranten die Rathaustreppe hinunter, als die Demonstranten versuchten ins Rathaus zu gelangen. Erst nach der Demo machten sich dann die Sicherheitsorgane an ihre Arbeit und verhafteten die Bürger regelrecht von der Strasse weg und sperrten sie ein. Eine Zeit voller Spannung und Angst, aber auch voller Hoffnung für eine bessere Zukunft.

Plauen hat nach der friedlichen Revolution die Wendejahre über sein Stadtgesicht verändert. mal mehr mal weniger schön. Plauen hat eine profunde Aufarbeitung seiner DDR Geschichte vielleicht versucht. Leider eben nur versucht. Wie in vielen Ostdeutschen Städten nutzten die Wendehälse die Gunst der ausgebliebenen Aufarbeitung. Der Mantel wurde gedreht und weiter gings…. typisch deutsche Geschichte.

Genau genommen ist der Begriff Wendedenkmal von Grund auf falsch gewählt. Es geht konkret um die friedliche Revolution. Die Revolution welche die „Wende“ einleitete. Nicht zu vergessen die vielen Mutigen davor. Menschen die mit ihren guten Taten, ihrem Mut und ihrem Willen den Weg in Richtung Zukunft möglich gemacht haben.

Ich habe mich am letzten Samstag auf den Weg gemacht um mir ein Bild machen zu können von den Entwürfen.Schon auf den ersten Blick musste ich feststellen, dass man den Sinn bzw. dem Thema nicht gerecht werden wird. Der Jury ist nicht einmal aufgefallen, dass der Spruch: „Wir sind ein Volk“ ein Wahlkampfspruch der CDU war um Kanzler Kohl zum Kanzler der Wende zu machen. Das Volk hatte zu Zeit der friedlichen Revolution stets immer „Wir sind das Volk“ gerufen. Die Entwürfe sind von daher ein Lob auf die Werbemaschinerie der CDU und nicht das, was es sein sollte. Eine erschreckende Tatsache. Im Gespräch mit einem Vertreter der Stadt stellte sich für mich zum Erschrecken heraus, dass man sehr unbedacht mit dem Thema Denkmal umgeht. Die Bürger werden nicht mit in das Projekt eingebunden. Spenden darf das Volk – aber sich nicht mit an der Auswahl beteiligen. Die Entwürfe selbst , an der Zahl 10, sind für meinen Geschmack am Thema vorbei und auch sehr halbherzig. Es fehlt auch der Bezug zu Plauen und vor allem eine gelungene Idee. Man könnte denken es gehe einzig um einen weiteren Auftrag und um ein Denkmal was man halt mal so hinstellt und sich danach den Scheck geben lässt. 60 000 Euro ist ne Menge Geld und kein Entwurf sah so aus, als wenn er das Geld wert gewesen wäre. Danach das übliche Schulterklopfen und ab dann ein Denkmal was vielleicht kein Bürger wollte, ausser denen die sich daran profilieren wollten oder profitieren wollten. Einige Bürger reden bereits von mafiösen Verstrickungen hinter den Kulissen. Könnte man fast glauben, wenn man sich dem Thema etwas annimmt und nachfragt. Man scheint sich sehr sicher zu sein, dass der Bürger auch diesmal gelassen bleibt.

Der Bürger selbst sollte seinen Unmut zum Denkmal bzw. seine Meinung frei und nicht nur hinter der vorgehaltenen Hand vertreten. Damals sind wir für eben diese Freiheit auf die Strasse gegangen. Also sollte es nur gut sein auch jetzt seine Meinung öffentlich zu vertreten. Es scheint allerdings dass bedingt durch diverse Strukturen man lieber seinen Mund hält und erträgt —

Sehr schade für Plauen – sehr schade für die Sache an sich.

Den Verantwortlichen für dieses Denkmal sollte man sehr genau auf die Finger schauen – denn es geht mit Sicherheit um viel Eitelkeit und Selbstglanz …..

Zwanzig Jahr sind vergangen. Zwanzig Jahre. Eine sehr lange Zeit, für einen Menschen, ein Wimpernschlag in der Geschichtsschreibung. Vor zwanzig Jahren im Jahre 1989 war der sozialistische Staat DDR auf deutschem Boden an seinem Ende angelangt. Viele Bürger haben jede Gelegenheit genutzt, dem müden abgewirtschafteten Staat den Rücken zu kehren um anderswo Ihr Glück zu suchen und sich selbst und Ihrer Familie neue Existenzen zu gründen. Andere Bürger haben sich nicht mehr von Stasi, SED usw. einschüchtern lassen und haben eine Opposition auferstehen lassen, welche immer stärker gegen die damals vorherrschenden Verhältnisse aufmerksam gemacht hatte und die Ursache dieser Missstände beseitigen wollte.

Die Ereignisse in Ungarn und in der Tschechoslowakei, einerseits die Grenzöffnung, andererseits die Botschaftsflüchtlinge von Prag mit den anschließenden Flüchtlingszügen waren das Zünglein an der Waage. Vor allem die Züge, welche auch durch Plauen fuhren, bei denen etliche Menschen- kurz vor dem Verlassen des DDR-Gebietes - versuchten aufzuspringen, haben die Menschen dazu bewogen, an jenem 7. Oktober 1989, dem 40. und letzten Jahrestag der DDR, wie gewohnt auf die Straße zu gehen, aber nicht um zu feiern, sondern um zu protestieren.

Und genau hier hat Plauen die Vorreiterrolle in der DDR übernommen. Auch wenn in anderen Städten wie Leipzig, Berlin oder Dresden im Verborgenen sicher bereits über Demonstrationen nachgedacht wurde, die Plauener haben zu zehntausenden auf der Straße Ihre Meinung offen Kund getan. Diese Tatsache wird in den Medien und bei den Politikern immer wieder gern vergessen und somit haben wir Plauener, trotz Vorreiterrolle, tief in der Provinz wieder das Nachsehen.

Großstädte wie Leipzig usw. sollen je ein aus Steuergeldern finanziertes Denkmal erhalten, da fragt man sich doch, warum diejenigen, die zu erst Leib und Leben aufs Spiel gesetzt haben, Ihr Denkmal aus eigener Tasche finanzieren müssen.

Die nächsten Fragezeichen steigen empor, wenn man dann mitbekommt, wie das ganze Prozedere rund um dieses Wendedenkmal sich darstellt. Da springen so genannte Serviceclubs wie Kiwanis Club, Lions Club, Rotary Club, Soroptimisten in die Bresche und organisieren Spendenveranstaltungen und eine Ausschreibung für solch ein Wendedenkmal. Diese Ausschreibung wiederum ist bei vielen Künstlern im Vogtland erst bekannt geworden, als aus der Presse zu erfahren war, dass eine bereits existierende Fachjury zwei Finalisten gekürt hätte. Sehr schön! Um den nun aufschäumenden Volkeszorn zu kanalisieren, wurde fix eine öffentliche Ausstellung im Rathaus durchgeführt, wo die Bürger sich die abgegeben Exponate zu Gemüte führen durften. Natürlich waren auch Fragebögen für Feedback vorhanden, schließlich interessiert ja auch die Meinung der Bürger zu diesen Vorschlägen. Und das, obwohl im Prinzip schon entschieden wurde.

Hätte man denn nicht viel öffentlicher auf die Ausschreibung hinweisen können? Hätten denn nicht auch Künstler aus Ostthüringen, Hochfranken, Westböhmen und Westsachsen angesprochen werden können? Warum hat man denn nicht alle Exponate erst in Presse und Internet zur Abstimmung geben können und die Bürger über die ersten Plätze entscheiden lassen können, schließlich soll das Denkmal doch für die Bürger sein? Hätte man nicht dann aus den ersten Plätzen durch die genannte Fachjury entscheiden lassen können? Nein, all das hat man nicht gemacht.

Der künftige Standort des Denkmals
Der künftige Standort des Denkmals

Nachdem nun das Kind in den Brunnen gefallen ist, rudert einer der Initiatoren Herr Sachse zurück und läßt durch die Presse vermelden, dass natürlich kein Denkmal gebaut werden soll, was die Bürger nicht wollen. Das ist natürlich lobenswert, denn dieses Denkmal sollte eines sein, welches sich selbst erklärt, welches auch späteren Generationen erzählen kann, was hier in Plauen passiert ist, wann es passiert ist, warum es passiert ist und wer die Hauptakteure dabei gewesen sind. Es muss deutlich machen, dass die Bürger sich gegen einen diktatorischen Unrechtsstaat aufgelehnt haben und dabei Ihr Leben riskiert haben. Es muss deutlich werden, dass dieser Umbruch maßgeblich mitverantwortlich an der Veränderung des Weltgefüges gewesen ist. Dadurch wurde der eiserne Vorhang niedergerissen, der kalte Krieg beendet und viele sozialistische Länder wurden in Demokratien umgewandelt. Und das alles durch den ersten Dominostein der friedlichen Demonstration in Plauen. Man stelle sich vor, hier wäre geschossen worden, welche Signalwirkung dass auf Leipzig & Co. gehabt hätte.

Dieses Denkmal muss einfach eine hochwertige und klare Gestaltung aufweisen, es darf keine Fragen offen lassen, es muss für sich selbst sprechen ohne erklärt werden zu müssen. Es muss sich in die Reihe von Denkmälern einreihen lassen, wie zum Beispiel die Pieta in der Neuen Wache in Berlin oder das Buchenwald-Denkmal von Prof. Cremer. Sicher ist dies nicht zum veranschlagten Sparpreis von 60.000,-€ zu bewerkstelligen, aber warum muss es denn überstürzt werden? Sollte man nicht besser länger sammeln und dafür ein wirklich sehenswertes Denkmal schaffen, welches auch überregionale Anziehung ausübt? Welches in Reiseführer aufgenommen werden kann? Welches das Stadtzentrum von Plauen aufwertet anstatt zu verschandeln?

Manch einer wird mir jetzt sicher den Kunstsachverstand und die Fachkenntnis absprechen wollen. Dies mag berechtigt sein, da ich weder Bildhauer noch Architekt bin. Ich bin nur Bürger der Stadt Plauen, gebürtiger Plauener, aber auch Wendeaktivist, Demonstrationsteilnehmer, damaliger Schülersprecher und aktiver Unterstützer des Neuen Forums. Ich weiß, ob ich ein Denkmal als solches akzeptieren würde oder ablehne, ob ich es als Mensch verstehe oder nur rätseln muss, was der Künstler damit aussagen will.

Die im Rathaus gezeigten Exponate mögen alle in Ihrer Gestaltung künstlerisch wertvoll sein, auch inhaltlich durchaus nachvollziehbar auf das Thema eingehen, aber alle zusammen müssen zwingend dem Betrachter erklärt werden und haben keinen tatsächlichen Charme, der mich als Betrachter im Herz berührt. Ich könnte ebenso eine Betonplatte oder einen Holzklotz ansehen und hätte die gleichen Emotionen. Diese Meinung teile ich mit mindestens einem Dutzend Besuchern der Ausstellung, welche sich gemeinsam mit mir die Exponate im Detail in aller Ruhe angesehen haben. In einigen Gesprächen konnte man ganz klar heraushören, dass die ablehnende Haltung überwiegte.

Ratespiel: Wo ist hier ein Brunnen?
Ratespiel: Wo ist hier ein Brunnen?

Plauen sollte ganz klar ein würdiges repräsentatives denkwürdiges Denkmal erhalten. Aber bitte eins, welches man als solches erkennt. Man möge nicht noch einmal einen Fehler machen, wie seinerzeit mit diesem unsäglichen König-Albert-Brunnen am Altmarkt, welcher bis heute nicht richtig funktioniert und bei dem niemand weiß, was damit ausgesagt werden soll. Besser setzt man den „befreiten Mann“ vom Albertplatz um, weil dieser bereits mehr Aussage hat, als alle gezeigten Exponate.

Es muss nichts überstürzt werden, es gibt auch noch einen 25., einen 30. usw. Jahrestag der Wendedemonstrationen. Es gibt auch noch weitere Künstler im Vogtland bzw. aus dem Vogtland, welche durchaus auch darstellende Kunst anfertigen können, es müssen nicht zwingen Abstraktionen sein, nur weil das in diesem Jahrzehnt der Trend ist.

In diesem Sinne,

Ihr Kai Grünler

Einige Weblinks zum Thema:

http://www.wendedenkmal.de/
http://www.spitzenstadt.de/plauen/index.php?menuid=18&reporeid=1888
http://www.spitzenstadt.de/plauen/index.php?menuid=18&reporeid=1935
http://www.spitzenstadt.de/plauen/index.php?menuid=18&reporeid=1942
http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/REGIONALES/VOGTLAND/PLAUEN/1523934.html
http://www.vogtland-anzeiger.de/Vogtland_Anzeiger/index.php?menuid=27&reporeid=966
http://www.vogtland-anzeiger.de/Vogtland_Anzeiger/index.php?menuid=28&reporeid=974

War das Spitzenfest zum Fünfzigsten nicht wieder ein voller Erfolg? Stars wie Marianne Rosenberg oder T-Rex gaben sich die Ehre und wollten teilweise gar nicht mehr aufhören zu spielen. Ein wunderbares Feuerwerk (hab ich später aus der Pressemitteilung von Herrn Oberdorfer entnommen) erstrahlte ganz Plauen im Freudenfeuer, also zumindest rund um den Rathausturm und mit extremer Verspätung. Wir hatten uns extra ein lauschiges Plätzchen auf der eigens neu gebauten Neundorfer Straße reserviert, um dem Feuerwerkszauber vom Rathausturm startend zuzuschauen und bekamen nur ein – sagen wir mal „Tischfeuerwerk“ zu sehen. Das hätte für ein einjähriges Jubiläum voll gereicht, aber für ein fünfzigjähriges Spitzenfest?! Naja, man wollte natürlich den Rathausturm nicht beschädigen, was leider nicht so ganz geglückt ist, aber so hat man gleich einen Grund, dort mal sauber zu machen. Auch sollte ja kein Stadtbrand entstehen, vermutlich wurde auch deshalb früher, in guter alter Zeit, das Feuerwerk am Stadtparkring gut sichtbar für gesamt Plauen und vor allem dem Original-Festgelände der Spitzenfeste, dem Parktheater, gezündet.
Aber das ist ja früher. Alte DDR-Vergangenheit. Da wurde noch die Spitze und die Textilindustrie gefeiert – weswegen das Spitzenfest auch seinen Namen trägt. Nein, diese Zeiten sind vorbei. Das Parktheater ist nicht mehr gut genug, es muss die Innenstadt für die ganzen Lärmenden Coverbands in Ihren Wurstbudenbühnen herhalten, die vermutlich auch nur auftreten dürfen, weil das den Umsatz des Hauptsponsors Sternquell gehörig in die Höhe treibt. Warum? Wer sich diese Darbietungen selber live und nüchtern angeschaut hat – ich hab den Fehler begangen – merkt sofort, das kann nur ein gewisser Level Alkohol sprich Bier wieder richten. Dementsprechend viele Ausschankmöglichkeiten wurden über ganz Plauen verteilt, für Kinder hab ich nicht so viele Attraktionen gesehen…
Aber ein Schelm, wer böses dabei denkt, wenn man weiß, dass der Marketingchef des Hauptsponsors Sternquell, Herr Münzer, in Personalunion Vorsitzender des veranstaltenden Vereins ist. Von Interessenskonflikten kann man da wahrlich nicht sprechen.

Ich wäre allerdings klar dafür, das Spitzenfest künftig Sternquellfest zu nennen, denn um die Plauener Spitze, wie einst in der bösen DDR, geht’s hier schon lange nicht mehr. Saufen,Profit, Saufen, Profit, Saufen, Profit usw. darum dreht sich doch das ganze.
Das einzige echte Spitzenhighlight hab ich selber nicht gesehen, das waren die Artistenfamilie Traber, welche über den Dächern Plauens Ihre Hochseilakrobatik vorführten. Sowas hat Flair.
Trotzdem fehlt mir persönlich das besondere Gefühl von damals, als wir mit der ganzen Familie im Sonntagsanzug zum Kaffee trinken usw. zum Spitzenfest ins Parktheater gegangen sind und alles schön gepflegt und gesittet abgegangen ist, ohne Gehörschäden. Heutzutage wird man überall zugeplärrt und von besoffenen Halbstarken belästigt, aussehen tut es wie auf dem Weihnachtsmarkt nur ohne Schnee und Spaß macht mir das wirklich nicht mehr.
Bitte lasst endlich mal Profis ran und die gute alte Zeit ein bisschen wiederbeleben.