Zwanzig Jahr sind vergangen. Zwanzig Jahre. Eine sehr lange Zeit, für einen Menschen, ein Wimpernschlag in der Geschichtsschreibung. Vor zwanzig Jahren im Jahre 1989 war der sozialistische Staat DDR auf deutschem Boden an seinem Ende angelangt. Viele Bürger haben jede Gelegenheit genutzt, dem müden abgewirtschafteten Staat den Rücken zu kehren um anderswo Ihr Glück zu suchen und sich selbst und Ihrer Familie neue Existenzen zu gründen. Andere Bürger haben sich nicht mehr von Stasi, SED usw. einschüchtern lassen und haben eine Opposition auferstehen lassen, welche immer stärker gegen die damals vorherrschenden Verhältnisse aufmerksam gemacht hatte und die Ursache dieser Missstände beseitigen wollte.
Die Ereignisse in Ungarn und in der Tschechoslowakei, einerseits die Grenzöffnung, andererseits die Botschaftsflüchtlinge von Prag mit den anschließenden Flüchtlingszügen waren das Zünglein an der Waage. Vor allem die Züge, welche auch durch Plauen fuhren, bei denen etliche Menschen- kurz vor dem Verlassen des DDR-Gebietes - versuchten aufzuspringen, haben die Menschen dazu bewogen, an jenem 7. Oktober 1989, dem 40. und letzten Jahrestag der DDR, wie gewohnt auf die Straße zu gehen, aber nicht um zu feiern, sondern um zu protestieren.
Und genau hier hat Plauen die Vorreiterrolle in der DDR übernommen. Auch wenn in anderen Städten wie Leipzig, Berlin oder Dresden im Verborgenen sicher bereits über Demonstrationen nachgedacht wurde, die Plauener haben zu zehntausenden auf der Straße Ihre Meinung offen Kund getan. Diese Tatsache wird in den Medien und bei den Politikern immer wieder gern vergessen und somit haben wir Plauener, trotz Vorreiterrolle, tief in der Provinz wieder das Nachsehen.
Großstädte wie Leipzig usw. sollen je ein aus Steuergeldern finanziertes Denkmal erhalten, da fragt man sich doch, warum diejenigen, die zu erst Leib und Leben aufs Spiel gesetzt haben, Ihr Denkmal aus eigener Tasche finanzieren müssen.
Die nächsten Fragezeichen steigen empor, wenn man dann mitbekommt, wie das ganze Prozedere rund um dieses Wendedenkmal sich darstellt. Da springen so genannte Serviceclubs wie Kiwanis Club, Lions Club, Rotary Club, Soroptimisten in die Bresche und organisieren Spendenveranstaltungen und eine Ausschreibung für solch ein Wendedenkmal. Diese Ausschreibung wiederum ist bei vielen Künstlern im Vogtland erst bekannt geworden, als aus der Presse zu erfahren war, dass eine bereits existierende Fachjury zwei Finalisten gekürt hätte. Sehr schön! Um den nun aufschäumenden Volkeszorn zu kanalisieren, wurde fix eine öffentliche Ausstellung im Rathaus durchgeführt, wo die Bürger sich die abgegeben Exponate zu Gemüte führen durften. Natürlich waren auch Fragebögen für Feedback vorhanden, schließlich interessiert ja auch die Meinung der Bürger zu diesen Vorschlägen. Und das, obwohl im Prinzip schon entschieden wurde.
Hätte man denn nicht viel öffentlicher auf die Ausschreibung hinweisen können? Hätten denn nicht auch Künstler aus Ostthüringen, Hochfranken, Westböhmen und Westsachsen angesprochen werden können? Warum hat man denn nicht alle Exponate erst in Presse und Internet zur Abstimmung geben können und die Bürger über die ersten Plätze entscheiden lassen können, schließlich soll das Denkmal doch für die Bürger sein? Hätte man nicht dann aus den ersten Plätzen durch die genannte Fachjury entscheiden lassen können? Nein, all das hat man nicht gemacht.

- Der künftige Standort des Denkmals
Nachdem nun das Kind in den Brunnen gefallen ist, rudert einer der Initiatoren Herr Sachse zurück und läßt durch die Presse vermelden, dass natürlich kein Denkmal gebaut werden soll, was die Bürger nicht wollen. Das ist natürlich lobenswert, denn dieses Denkmal sollte eines sein, welches sich selbst erklärt, welches auch späteren Generationen erzählen kann, was hier in Plauen passiert ist, wann es passiert ist, warum es passiert ist und wer die Hauptakteure dabei gewesen sind. Es muss deutlich machen, dass die Bürger sich gegen einen diktatorischen Unrechtsstaat aufgelehnt haben und dabei Ihr Leben riskiert haben. Es muss deutlich werden, dass dieser Umbruch maßgeblich mitverantwortlich an der Veränderung des Weltgefüges gewesen ist. Dadurch wurde der eiserne Vorhang niedergerissen, der kalte Krieg beendet und viele sozialistische Länder wurden in Demokratien umgewandelt. Und das alles durch den ersten Dominostein der friedlichen Demonstration in Plauen. Man stelle sich vor, hier wäre geschossen worden, welche Signalwirkung dass auf Leipzig & Co. gehabt hätte.
Dieses Denkmal muss einfach eine hochwertige und klare Gestaltung aufweisen, es darf keine Fragen offen lassen, es muss für sich selbst sprechen ohne erklärt werden zu müssen. Es muss sich in die Reihe von Denkmälern einreihen lassen, wie zum Beispiel die Pieta in der Neuen Wache in Berlin oder das Buchenwald-Denkmal von Prof. Cremer. Sicher ist dies nicht zum veranschlagten Sparpreis von 60.000,-€ zu bewerkstelligen, aber warum muss es denn überstürzt werden? Sollte man nicht besser länger sammeln und dafür ein wirklich sehenswertes Denkmal schaffen, welches auch überregionale Anziehung ausübt? Welches in Reiseführer aufgenommen werden kann? Welches das Stadtzentrum von Plauen aufwertet anstatt zu verschandeln?
Manch einer wird mir jetzt sicher den Kunstsachverstand und die Fachkenntnis absprechen wollen. Dies mag berechtigt sein, da ich weder Bildhauer noch Architekt bin. Ich bin nur Bürger der Stadt Plauen, gebürtiger Plauener, aber auch Wendeaktivist, Demonstrationsteilnehmer, damaliger Schülersprecher und aktiver Unterstützer des Neuen Forums. Ich weiß, ob ich ein Denkmal als solches akzeptieren würde oder ablehne, ob ich es als Mensch verstehe oder nur rätseln muss, was der Künstler damit aussagen will.
Die im Rathaus gezeigten Exponate mögen alle in Ihrer Gestaltung künstlerisch wertvoll sein, auch inhaltlich durchaus nachvollziehbar auf das Thema eingehen, aber alle zusammen müssen zwingend dem Betrachter erklärt werden und haben keinen tatsächlichen Charme, der mich als Betrachter im Herz berührt. Ich könnte ebenso eine Betonplatte oder einen Holzklotz ansehen und hätte die gleichen Emotionen. Diese Meinung teile ich mit mindestens einem Dutzend Besuchern der Ausstellung, welche sich gemeinsam mit mir die Exponate im Detail in aller Ruhe angesehen haben. In einigen Gesprächen konnte man ganz klar heraushören, dass die ablehnende Haltung überwiegte.

- Ratespiel: Wo ist hier ein Brunnen?
Plauen sollte ganz klar ein würdiges repräsentatives denkwürdiges Denkmal erhalten. Aber bitte eins, welches man als solches erkennt. Man möge nicht noch einmal einen Fehler machen, wie seinerzeit mit diesem unsäglichen König-Albert-Brunnen am Altmarkt, welcher bis heute nicht richtig funktioniert und bei dem niemand weiß, was damit ausgesagt werden soll. Besser setzt man den „befreiten Mann“ vom Albertplatz um, weil dieser bereits mehr Aussage hat, als alle gezeigten Exponate.
Es muss nichts überstürzt werden, es gibt auch noch einen 25., einen 30. usw. Jahrestag der Wendedemonstrationen. Es gibt auch noch weitere Künstler im Vogtland bzw. aus dem Vogtland, welche durchaus auch darstellende Kunst anfertigen können, es müssen nicht zwingen Abstraktionen sein, nur weil das in diesem Jahrzehnt der Trend ist.
In diesem Sinne,
Ihr Kai Grünler
Einige Weblinks zum Thema:
http://www.wendedenkmal.de/
http://www.spitzenstadt.de/plauen/index.php?menuid=18&reporeid=1888
http://www.spitzenstadt.de/plauen/index.php?menuid=18&reporeid=1935
http://www.spitzenstadt.de/plauen/index.php?menuid=18&reporeid=1942
http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/REGIONALES/VOGTLAND/PLAUEN/1523934.html
http://www.vogtland-anzeiger.de/Vogtland_Anzeiger/index.php?menuid=27&reporeid=966
http://www.vogtland-anzeiger.de/Vogtland_Anzeiger/index.php?menuid=28&reporeid=974