
© 2009 D. Grünler, Plauen
Es ist Wahlkampfzeit. In Kürze haben wir die Landtagswahlen und nicht viel später stehen Bundestagswahlen an. Und es gibt ein großes Problem. Zu allen Wahlen, die in letzter Zeit stattgefunden haben, gab es deutlich zu wenig Wahlbeteiligung. Das ist soweit noch nicht verwerflich, bringt jedoch ein Ungleichgewicht in das Wahlendergebnis, da zwei Drittel der Bevölkerung einem Drittel überlassen, zu entscheiden, wie 100% regiert werden sollen. Das kann nicht repräsentativ sein und das merkt man dann auch deutlich an der Stimmung in der Bevölkerung.
Und das geht auch an den Politikern in Berlin und Dresden nicht spurlos vorüber. Zumal der 20. Jahrestag der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR ins Haus steht und genau da hatte im Vorfeld „Der Spiegel“ Salz in die Wunde gestreut und ein Jahrzehnte altes Missverständnis zum Thema gemacht und somit einen kleinen Schritt unternommen hat, die deutsch-deutsche Geschichte gerade zu rücken. Es geht um den Fakt, dass die allererste Demonstration auf dem Territorium der ehemaligen DDR eben nicht in Leipzig oder Dresden stattgefunden hat, sondern nachweislich in Plauen und das mit zehntausenden Teilnehmern. Und eben diese friedliche Demonstration (friedlich seitens der Demonstranten) war der Signalschuß für alle anderen Städte in der DDR, wenn es hier gekracht hätte, wären wohl sicher weder in Leipzig noch in Dresden etc. irgendwelche Demonstrationen durchgeführt worden.
Nun haben die Strategen im fernen Berlin Denkmäler für diese Revolution für Berlin (!!!) und Leipzig vorgesehen, welche mit Millionen Steuergeldern dort aufgestellt werden sollen, Plauen in der Provinz schaut in die Tonne und man darf selber die Bürger um Spenden anbetteln um nicht ganz doof dazustehen. Die Organisatoren und die Bürger bekommen sich in die Haare, weil man Kungeleien vermutet und weil Vorschläge zur Wahl stehen, die, gelinde gesagt, einem Denkmal nicht würdig sind. Diese Diskussionen gibt es interessanter Weise fast genauso in Leipzig wie auch in Berlin.
Um auf den Punkt zu kommen, sämtliche Diskussionen und Aktionen dringen dank Bundestagsabgeordneter auch bis zur Kanzlerin und zu den Parteivorständen durch und siehe da, das lässt sich doch ganz hervorragend für den Wahlkampf ausschlachten. Plötzlich geben sich die hohen Herrschaften aus Berlin hier in Plauen die Klinke in die Hand, ebenso die halbhohen aus Dresden. Da läuft man aus Versehen die Claudia Roth von den Grünen auf dem Klostermarkt fast über den Haufen, da kommen die Herren Pofalla und auch Tillich, der Herr Westerwelle war auch schon da und es kommen bestimmt noch etliche mehr und eben auch unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Sie läßt für einen Tag Plauen zum Mittelpunkt aufsteigen. Glanz in der Hütte, wo vorher keiner war. Da wird der Altmarkt aufpoliert, tollste Bühnentechnik und Beleuchtung montiert. Auch der Ausrichter aller Stadtfeste ist natürlich wieder mit unzähligen Schankwagen zugegen, hätte mich auch gewundert, wenn es einmal ohne Sternquell gegangen wäre!!!
Es wurde das Gebiet weiträumig sogar für Anlieger und Händler abgeriegelt, Umsatzeinbußen wurden in Kauf genommen. Soviel Polizei wie nie war präsent – soviel kann gern sonst auch für Ordnung in Plauen sorgen! Man kam sich vor, wie zu Ostzeiten, als auch Fassaden wie Kulissen für die DDR-Oberen saniert wurden, nur weil da mal einer durch die Straße durchfährt und dann soll es ja schön aussehen. Das hier war nichts anderes. Frau Merkel und Kollegen wurde nur ein geschönter Abklatsch vorgeführt, anstatt zu zeigen, wie es wirklich ist. Manche Leute lernen eben nie, wie man sich mit sowas ins eigene Fleisch schneidet.
Die peinliche Rede des Herrn Tillich mit dem faux pas, dass wir im Vogtland stolz wären endlich „V“ am Kennzeichen zu haben, lasse ich mal unkommentiert, der gute Mann hat sich selber mit seinem Gerede ins Abseits gestellt, wie die Kanzlerin selbst bemerkte, gibt’s da noch Lernbedarf beim Ministerpräsidenten. Als Altenative schlage ich vor, den guten Mann besser auszutauschen. Egal.

© 2009 D. Grünler, Plauen
Frau Merkel hat eine durchaus bemerkenswerte und sympathische Rede gehalten. Da wurden auch private Themen (Fischessen im Alten Handelshaus, Ex-Mann aus Cossengrün usw.) angesprochen und Sie reagierte schlagfertig auf Zwischenrufer und Plakate. Das alles täuscht aber nicht darüber hinweg, dass Sie in der falschen Partei ist und dass mit Ihrer Abreise auch alles wieder vergessen ist. Konkrete Zusagen und Programme fehlten, woran man nach einer Wahl ablesen kann, was wirklich von den Versprechen umgesetzt wird. Die wirklich sehr sympathische Kanzlerin hat somit wirklich ein Problem. Jemanden ohne konkreten Standpunkt zu wählen fällt schwer. Und damit eine höhere Wahlbeteiligung anzuregen, wird sicher nicht gelingen. Zumal die Kandidaten für die kommende Landtagswahl sich lesen, wie ein Wahlzettel zur nationalen Front in der DDR. Einzig ein Herr Liebscher (ein zugereister Wessi) steht somit als echte Wahlalternative zur Verfügung, denn extremistische Parteien wählt der gesunde Menschenverstand definitiv nicht, auch wenn manche Vertreter dieser Parteien soviel Wahlwerbung aufhängen, als würden die die einzige zur Wahl stehende Partei wären.
Alles das, was ich gesehen und gehört habe (leider nicht persönlich vor Ort, dafür aber als Videoaufzeichnung), war typisch für „dem Volk Honig ums Maul schmieren“. Wir Plauener durften uns geehrt fühlen, einmal die amtierende Kanzlerin zu Gast zu haben. Und weil es so schön war, dürfen wir jetzt für CDU und deren Vertreter stimmen. NEIN!
Lassen wir uns nicht blenden und einlullen. Vergleichen wir genau, welche Parteien für welche Inhalte stehen, welche Kandidaten was geleistet haben. Gehen wir zur Wahl bzw. machen Briefwahl, um wenigstens einen Grund für diesen Wahlkampf – die mangelnde Teilnahme – aus der Welt zu schaffen. Aber machen wir es den regierenden Politikern und Parteien schwer. Seien wir kritisch!
Den am Wahltag stehen die Wähler, also wir, einen Tag im Mittelpunkt.



